26.04.2018

Erasmus+-Projekttreffen (Projekt „Werte leben“) in Polen vom 11.04.-17.04.2018

Ein Reisebericht (Hendrik Schmitz, Jahrgangsstufe 12)

Am Morgen des 11.04.2018 traf sich die aus zehn Schülern der Jahrgangsstufe 12 bestehende Gruppe am Luxemburger Flughafen,  um die Reise nach Polen mit Frau Jost und Herrn Schmalen anzutreten. Nach dem ca. zweistündigen Flug landeten wir in Warschau. Dort erwarteten uns unsere Austauschschüler und wir fuhren gemeinsam in die Innenstadt Warschaus.
Schon aus dem Flugzeug erkannte man die nahezu erschlagende Masse an Plattenbauten und Hochhäusern. Mein erster Eindruck der Stadt war also eher negativ. Das änderte sich weitestgehend, als wir das Regierungsviertel und die Altstadt besichtigten. Die alten Gebäude, die lebendige Innenstadt, aber auch das gute Wetter veränderten meinen Eindruck über die Hauptstadt Polens. Das erste, was ich in Polen aß, war das Nationalgericht Polens, sogenannte „Pirogi“, mit z.B. Fleisch, Sauerkraut oder Champignons gefüllte Maultaschen. Der Preis für so ein gutes und sättigendes Gericht war nicht mit deutschen Standards vergleichbar, ich bezahlte 18 Zloty, umgerechnet circa 4,50 Euro. Von Warschau fuhren wir in die Stadt, in der unsere Partnerschule liegt, Opoczno. Dort angekommen, lernten wir die Eltern unserer Austauschschüler kennen, alles äußerst gastfreundliche und warmherzige Personen.
Am nächsten Morgen besuchten wir die Schule, die zu Fuß von dem Haus meines Austauschschülers Michal nur zehn Minuten entfernt war. Auf diesem Weg zur Schule fiel mir das eigenartige Stadtbild von Opoczno auf. Es wechselten sich Plattenbauten mit kleinen „Hütten“, Einfamilienhäusern und großen Grasflächen ab. Wir besichtigten die Schule, die wirklich hervorragend ausgestattet ist. So lassen sich die riesige Turnhalle mit Tribüne, der Sportplatz mit Basketball- und Fußballplätzen, aber vor allem das Tonstudio in der Schule nennen. Von dort gingen wir zu einer Folkloreveranstaltung in einem nahe gelegenen Kindergarten. Im Anschluss daran gab es etwas zu essen. Danach trafen wir den Landrat in der Stadtverwaltung. Mir persönlich war das nicht bewusst, dass uns als Austauschschülern ein solcher Stellenwert eingeräumt wurde, aber auch das untermauert ein weiteres Mal die unglaubliche Gastfreundschaft der Polen. Nachdem wir zur Schule zurückgekehrt waren, gab es dort ein zweigängiges Mittagessen. (Anmerkung: Um 13 Uhr die dritte umfangreiche Mahlzeit des Tages!). Am Nachmittag besuchten wir die Mutter meines Austauschschülers. Diese sprach zwar kaum Deutsch oder Englisch, aber durch das hervorragende Deutsch von Michal, konnten wir uns über ihn als Dolmetscher gut unterhalten. Sie bereitete auch etwas zu essen vor, ein dreigängiges, typisch polnisches Mahl. Aus Höflichkeit – weniger denn aus Hunger – aß ich auch das, weniger als zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit. Den Abend verbrachten wir mit Freunden von Michal und anderen Schülern des Austauschs in einem Bistro.

Am Morgen des nächsten Tages besuchten wir den Unterricht der Schule, wobei wir grundlegendes Russisch lernten und uns die Englisch- und Mathestunden anschauen durften. Die Schule beginnt dort um 8:30 Uhr (Anmerkung: für uns, manche haben bereits ab 07.40 Uhr Unterricht), das nächste Mahl erwartete uns nach den Stunden um 11 Uhr in der Schule. Dann arbeiteten wir an unserem Projekt, dem Vergleich von Werteeinstellungen von Jugendlichen unserer beiden Schulen. Den Nachmittag verbrachten wir mit Freunden von Michal beim Basketballspielen auf den Plätzen der Schule. Am Abend besuchten wir eine Party einer Freundin meines Austauschschülers, wo auch andere Teilnehmer des Austauschs anwesend waren.

Am darauffolgenden Tag fuhren wir mit wenig Schlaf, aber großer Vorfreude nach Krakau. Dort machten wir eine Rundfahrt durch die Stadt. Die Schönheit dieser Stadt ist kaum zu übertreffen. Nicht nur die alten Kaufmannsgebäude und Kirchen, vor allem die Präsenz des jüdischen Lebens dieser Stadtwar so beeindruckend und neu für uns. Man kann von allerhöchstem Glück sprechen, dass diese Stadt nicht der Zerstörung des Krieges zum Opfer gefallen ist. Trotzdem wurden insbesondere im jüdischen Viertel und dem Ghetto, dessen Mauern wie jüdische Grabsteine geformt waren, die Unterdrückung und die Schreckensherrschaft der Nazis sehr deutlich, deutlicher als in Deutschland. Von dort aus fuhren wir am Abend nach Zakopane, was in der Tatra, einem Gebirge nahe der slowakischen Grenze, liegt. Das Panorama der Berge war phänomenal, besonders als man jeden Morgen den Sonnenaufgang darüber beobachten konnte.

Der nächste Tag begann mit Pfannkuchen in der Jugendherberge und führte von dort in die Innenstadt von Zakopane und mit der Seilbahn auf einen „Gipfel“. Die Stadt bestand gefühlt zu 95% aus kleinen Verkaufsbuden, die mit Touristenattraktionen warben. Nach dem Mittagessen in der Herberge fuhren wir zu einem sehr eindrucksvollen Schwimmbad, das mehrere Rutschen hatte und von dessen Balkon man ein weiteres Mal das Panorama der Berge in vollen Zügen genießen konnte. Am Abend gab es vielerlei Gegrilltes in einer Hütte bei der Herberge.

Der nächste Tag war der mit Abstand eindruckvollste der Reise. Wir besichtigten in einer vierstündigen Führung das Arbeits- und Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Unsere Eindrücke von den Gräueltaten und von der Abwicklung und Organisation der Massentötung waren auf eine so furchtbare Weise prägend, die man zuvor nicht als möglich erachtet hätte und uns fassungs- und sprachlos hinterließ. Von dort kehrten wir zurück nach Opoczno.

Der Abschied von unseren Austauschschülern fiel am nächsten Tag äußerst schwer. Es haben sich über diese doch sehr kurze, zu kurze, Zeit Freundschaften gebildet und viele gemeinsame Augenblicke blieben jedem von uns in Erinnerung. Natürlich aßen wir, bevor wir zum Flughafen abfuhren, noch ein letztes Mal in der Schule. So kehrten wir am Abend einige Kilogramm schwerer, aber glücklich um die gesammelten Erfahrungen nach Deutschland zurück.

 

20180412_104406                      Projekttreffen2 (1)-2

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