31.05.2015

„Viel Lärm um Nichts“

Theater-AG „Ludigaudens“ des St.-Josef-Gymnasiums interpretiert Shakespeare

(OtR) Die Emanzipation der Frau in Europa begann frühestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts, so meint man landläufig. Blickt man auf Shakespeares Stück „Viel Lärm um nichts“ (entstanden um 1599), so stellt man fest: Manch eine(r) war da vor 400 Jahren schon deutlich weiter, als wir heute glauben.

Daran ließ die furiose Inszenierung der Biesdorfer Schüler unter der erfahrenen Regie von Christine Conradt keinen Zweifel.

Die Handlung des Stückes ist – wie so oft bei Shakespeare – nicht ganz einfach. Das Schicksal zweier Paare im sizilianischen Messina liegt überquer: Das eine Paar, Hero (bei den verschiedenen Aufführungen in verschiedenen Besetzungen: Elisabeth Pick/Angelina Roth) und Claudio (Lukas Schmitz/Lasse Kolb) will heiraten, aber eine Intrige, gesponnen vom bösartigen Don Juan, bringt beide auseinander. Das andere Paar, Beatrice (Lena Schuh/Rebecca Zender/Helena Vogel) und Benedikt (Frank Hormesch/Klaus Müller) kann sich nicht ausstehen, aber eine – wohlmeinende – Intrige, gesponnen von Don Pedro (Maxim Rosin) und Leonato (Marcel Dichter) bringt die beiden zusammen.

Stimmungsvoll inszeniert kommen die Dinge auf einem Maskenball ins Rollen: Don Pedro wirbt im Namen von Claudio mit Erfolg um die schöne Hero, zugleich beschließt Don Juan, der eifersüchtige Bruder von Don Pedro, die Dinge zu hintertreiben: mit schöner Bösartigkeit wirft man Hero voreheliche Untreue vor. Wären da nicht die urkomische Truppe um den Amtmann Holzapfel (Jan Wittmer), sein Stellvertreter Schlehwein (Johannes Scholtes) und deren Wachmannschaft, die alles aufdeckt: die Sache wäre für Hero verloren.

Für Benedikt und Beatrice laufen die Dinge besser: Nach scharfen Wortgefechten mit geschliffener Zunge, in der vor allem Beatrice Benedikt, dem selbst ernannten „ewigen Junggesellen“, mächtig Zunder macht, werden beide durch Hero, Leonato und Co. davon überzeugt, dass sie in Wahrheit einander schrecklich lieben: freilich ohne dies von einander zu wissen. Können Benedikt und Beatrice nun glücklich heiraten, so muss Claudio noch durch die Hölle gehen: Hero wird – unter dem Vorwand, sie habe sich vor Gram das Leben genommen – versteckt gehalten. Nun bereut Claudio seine der Braut vor dem Traualtar entgegen geschmetterten Vorhaltungen. Doch da Holzapfel und Schlehwein Heros Unschuld beweisen können, kommt (fast) alles wieder ins Lot: Hier hat sich die Truppe der Ludigaudens-AG dazu entschieden, modernes Regietheater zu inszenieren: Darf bei Shakespeare am Schluss Doppelhochzeit gefeiert werden, so geht in Biesdorf Claudio leer aus: zu hart seien seine ungerechtfertigten Beschuldigungen gegen Hero gewesen; nun will sie ihn nicht mehr: eine emanzipierte Frau eben.

Wunderbar das Ganze, prächtig die orientalisierenden Kostüme, die Dialoge changierend zwischen Trauer und Komik, kurzum überzeugend. Auch dieses Jahr wieder dabei: das Duett von Rolf Dohm (Cembalo) und Verena Otten (Gesang), die, szenisch eingefügt, das Stück mit Liedern der Shakespeare Zeit bereicherten. Wie sagte doch der stellvertretende Schulleiter Dr. Peter Stolz in seiner kurzen Ansprache am Ende „Wenn Shakespeare jetzt im Himmel von einer Wolke herunterschaut und diese Aufführung sieht, dann ist er ganz sicher begeistert.“

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